Hörgerätebatterien: Größen, Laufzeit und Tipps
Vier Größen, ein Farbcode und ein paar Kniffe für längere Laufzeit: Wer Batterie-Geräte trägt, sollte die Grundlagen kennen. Hier liest du, welche Batterie zu welcher Bauform passt, wie lange sie hält, wie das Zink-Luft-Prinzip funktioniert und worauf du bei Wechsel, Lagerung und Entsorgung achten solltest.
Die vier Batteriegrößen und ihr Farbcode
Hörgerätebatterien sind genormt. Jede der vier Größen hat eine feste Farbe der Schutzfolie, an der du sie überall auf der Welt wiedererkennst. Diese Farben sind in der Norm IEC 60086 festgelegt, der Code ist also herstellerübergreifend gleich. Du kannst deine gewohnte Größe damit auch im Ausland oder bei einer anderen Marke sicher kaufen:
- Größe 10 (gelb): die kleinste Zelle, für unauffällige Im-Ohr-Geräte. Kürzeste Laufzeit.
- Größe 312 (braun): der Allrounder für viele RIC- und kleinere HdO-Geräte.
- Größe 13 (orange): für klassische HdO-Geräte mit längerer Laufzeit.
- Größe 675 (blau): die größte Zelle, für kräftige Geräte bei starkem Hörverlust.
Weil moderne Hörgeräte immer unauffälliger werden, dominieren heute die kleinen Größen 10 und 312. Die großen Zellen 13 und 675 findest du vor allem bei Power-Geräten für stärkeren Hörverlust, die mehr Energie brauchen. Welche Größe du benötigst, gibt also letztlich dein Gerät vor, nicht deine Vorliebe.
Die vier Größen auf einen Blick
Größe der Scheibe entspricht der relativen Zellengröße. Farben nach Norm IEC 60086.
Welche Größe passt zu welcher Bauform?
Welche Batterie dein Gerät braucht, hängt vor allem von der Bauform ab. Die Tabelle zeigt typische Zuordnungen und Laufzeiten, mehr zu den Bauformen findest du im Überblick der Hörgeräte-Arten.
| Größe | Farbe | Typische Bauform | Laufzeit | Hinweis |
|---|---|---|---|---|
| 10 | Gelb | IIC, CIC, kleine IdO-Geräte | 3–5 Tage | kleinste Zelle, unauffällig |
| 312 | Braun | RIC und kleinere HdO-Geräte | 5–7 Tage | der meistverkaufte Allrounder |
| 13 | Orange | klassische HdO-Geräte | 7–10 Tage | längere Laufzeit, etwas größer |
| 675 | Blau | kräftige HdO-Geräte, Power-Geräte | 9–14 Tage | größte Zelle, starke Verstärkung |
Die Laufzeiten sind Richtwerte für durchschnittliche Nutzung. Viel Streaming, starke Verstärkung oder Kälte verkürzen sie spürbar.
Das Zink-Luft-Prinzip: warum Warten hilft
Hörgerätebatterien sind Zink-Luft-Zellen. Im Inneren steckt Zinkpulver, den zweiten Pol liefert der Sauerstoff aus der Umgebungsluft. Solange die farbige Schutzfolie die kleinen Löcher an der Oberseite abdichtet, ruht die Zelle und verliert kaum Ladung. Erst wenn du die Folie abziehst und Luft an die Öffnungen kommt, startet die chemische Reaktion und die Batterie liefert Strom.
Diese Aktivierung braucht einen kurzen Moment. Setzt du die Zelle sofort ein, ist sie noch nicht voll aktiv. Ziehst du die Folie ab und wartest ein bis zwei Minuten, bevor du sie einsetzt, holst du oft etwas mehr Laufzeit heraus. Wichtig: Einmal abgezogen, lässt sich die Folie nicht sinnvoll wieder verschließen, die Zelle entlädt sich dann langsam von selbst. Ziehe die Folie also immer erst kurz vor dem Gebrauch ab.
Batterie wechseln: Schritt für Schritt
Der Wechsel ist mit etwas Routine in unter einer Minute erledigt. So gehst du vor, ganz ohne Werkzeug:
- Fach öffnen. Das Batteriefach des Hörgeräts mit dem Fingernagel oder einer kleinen Lasche vorsichtig aufklappen.
- Alte Zelle entnehmen. Die leere Batterie herausnehmen und für die Sammelbox zur Seite legen, nicht in den Hausmüll.
- Folie abziehen und warten. Bei der neuen Zelle die farbige Schutzfolie abziehen und ein bis zwei Minuten warten, damit sich die Zink-Luft-Zelle aktiviert.
- Pluspol beachten. Die Batterie mit der glatten Plusseite (Folienseite) nach oben einlegen, sie passt nur richtig herum sauber ins Fach.
- Fach schließen. Das Fach zuklappen, das Gerät schaltet sich automatisch ein. Klemmt es, sitzt die Zelle falsch herum.
Wenn das Hörgerät nach dem Wechsel stumm bleibt, prüfe Sitz und Polung der Batterie und ob die Kontakte sauber sind. Hilft das nicht, ist meist nicht die Batterie das Problem, sondern das Gerät, dann lohnt der Gang zum Akustiker.
Wie lange eine Batterie hält
Die Laufzeit liegt je nach Größe und Nutzung zwischen etwa drei und vierzehn Tagen. Kleine Zellen halten kürzer, große länger. Was die Batterie zusätzlich fordert und die Laufzeit verkürzt:
- Viel Bluetooth-Streaming für Telefon, Musik oder TV
- Starke Verstärkung bei ausgeprägtem Hörverlust
- Kälte, die die Zink-Luft-Zelle träger macht
- Hohe Luftfeuchtigkeit oder verschmutzte Kontakte
Ein leiser werdendes Signal oder eine Warnmeldung im Gerät kündigen das Ende an. Trage deshalb immer ein, zwei Ersatzbatterien der richtigen Größe bei dir, der Wechsel dauert nur Sekunden.
So holst du mehr Laufzeit heraus
Ein paar einfache Gewohnheiten verlängern die Lebensdauer jeder Zelle spürbar:
- Vor dem Einsetzen warten. Folie abziehen, ein bis zwei Minuten Luft an die Zelle lassen, dann einsetzen.
- Fach nachts öffnen. Das Batteriefach über Nacht aufklappen, das spart Strom und lässt Feuchtigkeit entweichen.
- Kontakte sauber halten. Hände und Batterieoberfläche trocken halten, Fett und Schmutz stören den Stromfluss.
- Streaming dosieren. Bluetooth nur nutzen, wenn du es brauchst, das ist der größte Stromfresser.
- Trocken aufbewahren. Bei Bedarf eine Trockenbox nutzen, gerade bei feuchtem Klima oder viel Schwitzen.
Richtig aufbewahren und entsorgen
Ungeöffnete Batterien hältst du am längsten haltbar, wenn du sie trocken und bei Zimmertemperatur lagerst, mit aufgeklebter Schutzfolie. Der alte Tipp, Batterien in den Kühlschrank zu legen, bringt bei moderner Zink-Luft-Technik nichts und kann durch Kondenswasser sogar schaden. Achte auf das aufgedruckte Haltbarkeitsdatum und verbrauche ältere Packungen zuerst.
Leere Batterien sind Sondermüll und gehören nicht in den Hausmüll. Du gibst sie kostenlos dort ab, wo es Sammelboxen gibt: im Supermarkt, in Drogerie und Elektromarkt, beim Akustiker oder auf dem Wertstoffhof. So werden die enthaltenen Rohstoffe sauber verwertet.
Praktisch ist eine kleine Sammeldose zu Hause, in der du leere Zellen sammelst und beim nächsten Einkauf mitnimmst. Halte daneben immer eine ungeöffnete Reservepackung bereit, damit dich eine leere Batterie nie unvorbereitet trifft, gerade vor Reisen oder wichtigen Terminen.
Batterie oder Akku?
Batterie-Geräte sind flexibel: Eine leere Zelle ist in Sekunden gewechselt, unterwegs brauchst du nur Ersatz dabei und bist nie auf eine Steckdose angewiesen. Dafür fallen laufend Kosten an und du erzeugst regelmäßig Sondermüll. Wer das Wechseln vermeiden will, greift zum Akku-Gerät, das du einfach über Nacht in der Ladeschale auflädst.
Akku-Geräte sparen die laufenden Batteriekosten und sind im Alltag komfortabler, sind in der Anschaffung aber oft teurer. Außerdem musst du an die tägliche Ladung denken, eine vergessene Schale kann den Tag ohne Hörgerät bedeuten. Der fest verbaute Akku hält je nach Modell mehrere Jahre und altert mit der Zeit. Beide Lösungen haben ihre Berechtigung, die passende hängt von deinem Alltag ab. Die ausführliche Abgrenzung mit Vor- und Nachteilen liest du im Ratgeber zu Akku-Hörgeräten.
Was Batterien über die Zeit kosten
Einzeln kosten Batterien wenig, über die Jahre summiert sich der Verbrauch aber. Wer beidohrig versorgt ist, verdoppelt den Betrag. Über einen Versorgungszyklus von rund sechs Jahren kommt so ein mittlerer dreistelliger Betrag zusammen, ein Punkt, der bei der Entscheidung zwischen Batterie und Akku mitzählt. Trotzdem bleibt der entscheidende Wert das Gerät selbst.
Das Gerät selbst ist das Wertvolle
Batterien sind Verbrauchsmaterial und kosten wenig, das Hörgerät dagegen schnell zwischen 1.500 und 3.500 EUR pro Ohr. Die gesetzliche Krankenkasse zahlt nur einen Festbetrag von rund 685 EUR und das erst wieder nach dem Versorgungszyklus von etwa sechs Jahren. Geht das Gerät verloren oder kaputt, trägst du ohne Schutz den vollen Eigenanteil.
Eine Hörgeräteversicherung schließt genau diese Lücke, ab etwa 3 EUR im Monat, gegen Verlust, Diebstahl sowie Sturz- und Feuchteschäden. Die laufenden Batterien deckt sie nicht, das ist branchenweit so, denn versichert wird der teure Teil: das Gerät.
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Kleines Batterie-Glossar
- Zink-Luft-Zelle
- Batterietyp, der Sauerstoff aus der Luft als zweiten Pol nutzt. Die Standardtechnik für nicht-wiederaufladbare Hörgerätebatterien.
- Schutzfolie
- Die farbige Klebefolie auf der Plusseite. Sie hält die Zelle inaktiv, bis du sie vor dem Gebrauch abziehst.
- Farbcode
- Genormte Farbe je Größe: 10 gelb, 312 braun, 13 orange, 675 blau. Herstellerübergreifend gleich.
- Laufzeit
- Zeitspanne, die eine Zelle im Betrieb durchhält, je nach Größe und Nutzung rund drei bis vierzehn Tage.
- Versorgungszyklus
- Zeitraum von rund sechs Jahren, nach dem die Krankenkasse erneut einen Festbetrag für ein Gerät zahlt.
Häufige Fragen zu Hörgerätebatterien
Welche Batteriegrößen gibt es für Hörgeräte?
Vier gängige Größen, jeweils mit eigener Farbe der Schutzfolie: Größe 10 (gelb), 312 (braun), 13 (orange) und 675 (blau). Die Farbe ist genormt, sodass du die passende Batterie weltweit am Farbcode erkennst.
Woran erkenne ich, welche Größe mein Gerät braucht?
Die Größe ist auf der Verpackung deiner bisherigen Batterien aufgedruckt und steht oft auch in der Bedienungsanleitung des Hörgeräts. Im Zweifel hilft dein Akustiker weiter. Als grobe Faustregel gilt: je kleiner und unauffälliger das Gerät, desto kleiner die Zelle.
Wie lange hält eine Hörgerätebatterie?
Je nach Größe und Nutzung etwa drei bis zwölf Tage. Kleine Zellen für unauffällige Geräte halten kürzer, große für kräftige HdO-Geräte länger. Viel Bluetooth-Streaming verkürzt die Laufzeit deutlich.
Warum muss ich vor dem Einsetzen warten?
Hörgerätebatterien sind Zink-Luft-Zellen. Sie aktivieren sich erst, wenn Luft an die Zelle kommt. Nach dem Abziehen der Schutzfolie solltest du ein bis zwei Minuten warten, dann hält die Batterie länger.
Wie kann ich die Laufzeit verlängern?
Nach dem Abziehen der Folie ein bis zwei Minuten warten, das Batteriefach nachts öffnen, die Kontakte trocken halten und Streaming nur nutzen, wenn du es brauchst. Trockene, zimmerwarme Lagerung schont die Zellen zusätzlich.
Wie lagere ich Hörgerätebatterien richtig?
Mit aufgeklebter Schutzfolie, trocken und bei Zimmertemperatur. Nicht in den Kühlschrank legen, das bringt entgegen einem alten Mythos nichts und kann durch Kondenswasser sogar schaden. So bleiben die Zellen bis zum aufgedruckten Datum nutzbar.
Wie entsorge ich leere Batterien?
Hörgerätebatterien sind Sondermüll und gehören nicht in den Hausmüll. Du gibst sie kostenlos in den Sammelboxen im Handel, beim Akustiker oder auf dem Wertstoffhof ab.
Was kosten Hörgerätebatterien im Jahr?
Überschlägig 30 bis 80 EUR pro Jahr und Gerät, je nach Größe und Verbrauch. Über einen Versorgungszyklus von rund sechs Jahren summiert sich das auf einen mittleren dreistelligen Betrag, ein Punkt, der bei der Wahl zwischen Batterie und Akku mitzählt.
Sind Akku-Geräte günstiger als Batterie-Geräte?
Über die Jahre können Batteriekosten zusammenkommen, dafür ist die Anschaffung oft günstiger. Akku-Geräte sparen die laufenden Kosten, kosten aber meist mehr. Welche Lösung passt, liest du im Ratgeber zu den Akku-Hörgeräten.
Übernimmt eine Hörgeräteversicherung die Batterien?
Nein. Batterien zählen als Verbrauchsmaterial und sind branchenweit vom Schutz ausgenommen. Versichert ist das Gerät selbst, etwa gegen Verlust, Diebstahl sowie Sturz- und Feuchteschäden, und genau das ist der teure Teil.
Darf ich Hörgerätebatterien im Flugzeug mitnehmen?
Ja, Zink-Luft-Knopfzellen darfst du im Handgepäck mitführen. Pack ausreichend Ersatz ein, denn unterwegs ist die passende Größe nicht überall zu bekommen.