Bauformen

Hörgeräte-Arten im Überblick

Im-Ohr, Hinter-dem-Ohr, Knochenleitung, Cochlea-Implantat. Welche Bauform zu welchem Bedarf passt, welche Technik dahintersteckt und was sich versichern lässt.

Einleitung

Welcher Hörgeräte-Typ passt zu welchem Bedarf

Die Wahl der Bauform hängt von drei Faktoren ab: dem Grad der Hörminderung, der Anatomie deines Ohrs und deinem Alltag. Wer viel im Außendienst telefoniert, hat andere Anforderungen als ein Bibliothekar. Dieser Überblick ist evergreen gehalten und ersetzt keine ärztliche oder hörakustische Beratung.

Bauform Sichtbarkeit Hörminderung Akku-Optionen Versicherbar
IIC (Invisible-in-Canal) nicht sichtbar leicht bis mittel Batterie ja
CIC (Completely-in-Canal) kaum sichtbar leicht bis mittel Batterie ja
IdO (In-dem-Ohr) sichtbar leicht bis mittel Batterie, teils Akku ja
HdO (Hinter-dem-Ohr) sichtbar leicht bis hochgradig Batterie und Akku ja
RIC (Receiver-in-Canal) klein sichtbar leicht bis mittel Akku ja
Knochenleitung sichtbar als Brille oder Implantat spezifische Indikation Akku eingeschränkt
Auf einen Blick

Die vier häufigsten Bauformen

HdOhinter dem Ohr
RICEx-Hörer
IdOim Ohr
IICim Gehörgang

Schematische Darstellung. Die passende Bauform hängt von Hörminderung, Ohranatomie und Alltag ab.

Bauform 1

Hinter-dem-Ohr-Gerät (HdO)

Das klassische Modell: Die Technik sitzt hinter der Ohrmuschel, der Schall wird per Schlauch und Ohrpassstück in den Gehörgang geleitet. HdO-Geräte sind die häufigste Bauform am Markt und für alle Grade der Hörminderung geeignet, auch für hochgradige. Weil im Gehäuse viel Platz ist, bieten sie die größten Verstärkerreserven und die längsten Laufzeiten.

Vorteile

  • Höchste Leistungsklasse möglich, auch bei starker Hörminderung
  • Robust, einfach zu bedienen, leicht zu reinigen und zu warten
  • Batterie- und Akku-Varianten, oft mit Lade-Etui
  • Kompatibel mit Zubehör wie Bluetooth-Streaming und TV-Adaptern
  • Bei Kindern bewährt, weil das Ohrpassstück mitwachsend angepasst werden kann

Nachteile

  • Sichtbarer als Im-Ohr-Bauformen, das Gehäuse liegt hinter dem Ohr auf
  • Kann mit Brillenbügel, Maske oder Mütze in Kontakt kommen

Für wen geeignet

Leichte bis hochgradige Hörminderung. Wer Wert auf Robustheit, lange Laufzeit und einfache Handhabung legt, und alle, die maximale Leistungsreserve brauchen.

Bauform 2

Ex-Hörer-Gerät (RIC)

Eine moderne Sonderform des HdO: Der kleine Lautsprecher (Receiver) sitzt direkt im Gehörgang, nur ein dünner Draht verbindet ihn mit der Technik hinter dem Ohr. Das macht RIC-Geräte deutlich diskreter als klassische HdO-Modelle, bei sehr klarer Klangqualität. RIC ist heute die meistverkaufte Bauform für leichte bis mittlere Hörverluste.

Vorteile

  • Diskretes Design, hoher Tragekomfort, kaum sichtbarer Draht
  • Klare, natürliche Klangqualität durch Lautsprecher direkt im Ohr
  • Akku-Betrieb gängig, Bluetooth-Streaming meist Standard
  • Receiver in verschiedenen Stärken austauschbar, wächst mit dem Hörbedarf

Nachteile

  • Receiver im Gehörgang ist anfälliger für Ohrenschmalz und Feuchtigkeit
  • Für sehr hochgradige Hörminderung in der Regel nicht ausreichend

Für wen geeignet

Leichte bis mittlere Hörminderung. Aktive Menschen, die Konnektivität und unauffällige Optik kombinieren wollen.

Bauform 3

In-dem-Ohr-Gerät (IdO)

IdO-Geräte sitzen vollständig in der Ohrmuschel, hinter dem Ohr ist nichts sichtbar. Die Schale wird individuell nach einem Abdruck deines Ohrs gefertigt und sitzt dadurch passgenau. Gut für Brillenträger, weil nichts mit dem Brillenbügel kollidiert.

Vorteile

  • Maßgefertigte Schale, passgenauer Sitz
  • Natürliche Schallübertragung über den Gehörgang
  • Kein Wind- oder Reibegeräusch durch Brille oder Mütze
  • Teils mit Akku und Bluetooth erhältlich

Nachteile

  • Bedienelemente sind kleiner, das kann bei eingeschränkter Feinmotorik stören
  • Mehr Wartung wegen Ohrenschmalz, Belüftung im Gehörgang reduziert

Für wen geeignet

Leichte bis mittlere, teils schwere Hörminderung. Brillenträger und alle, die hinter dem Ohr nichts tragen wollen.

Bauform 4

Im-Gehörgang-Gerät (ITC, CIC, IIC)

Die kleinsten Bauformen sitzen tief im Gehörgang und sind kaum bis gar nicht sichtbar. ITC ragt noch ein Stück in die Ohrmuschel, CIC (Completely-in-Canal) schließt nahezu bündig ab, IIC (Invisible-in-Canal) sitzt so tief, dass es von außen unsichtbar ist. Die kompakte Bauweise verlangt eine präzise Anpassung beim Hörakustiker und begrenzt die Batterie-Kapazität.

Vorteile

  • Nahezu oder komplett unsichtbar, diskreteste Lösung für den Berufsalltag
  • Natürliches Richtungshören, weil die Ohrmuschel mitarbeitet
  • Kein Kontakt mit Brille, Maske oder Mütze

Nachteile

  • Begrenzte Batterie-Laufzeit, fast immer Batterie- statt Akku-Betrieb
  • Bluetooth aus Platzgründen seltener verfügbar
  • Anfälliger für Ohrenschmalz und Feuchtigkeit
  • Für hochgradige Hörminderung zu leistungsschwach, setzt großen Gehörgang voraus

Für wen geeignet

Leichte bis mittlere Hörminderung. Wer nicht zeigen will, dass er ein Hörgerät trägt. Welche Modelle wirklich unsichtbar sind, liest du unter unsichtbare Hörgeräte.

Bauform 5

Knochenleitungsgerät

Knochenleitungsgeräte leiten den Schall über den Schädelknochen direkt ans Innenohr, der Gehörgang wird komplett umgangen. Sie sind die Lösung, wenn der klassische Hörweg verschlossen ist: bei angeborenen Fehlbildungen des Gehörgangs, chronischen Entzündungen oder Mittelohr-Schäden.

Getragen werden sie am Kopfbügel, als Hörbrille oder chirurgisch verankert. Die Indikation stellt der HNO-Arzt, die Versorgung läuft meist über die Krankenkasse. Eine private Geräteversicherung ist hier nur eingeschränkt möglich. Ob ein Knochenleitungsgerät für dich infrage kommt, entscheidet ausschließlich die ärztliche Diagnostik, dieser Text ersetzt sie nicht.

Bauform 6

Cochlea-Implantat (CI)

Das Cochlea-Implantat ist ein elektronisches Implantat für Menschen mit hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit, bei denen klassische Hörgeräte nicht mehr ausreichen. Es stimuliert den Hörnerv direkt elektrisch und besteht aus einem implantierten Teil und einem externen Sprachprozessor. Die Versorgung erfolgt in spezialisierten Kliniken und umfasst eine längere Hör-Reha.

Für die Versicherung relevant: Der externe Sprachprozessor lässt sich teils versichern, das Implantat selbst nicht, das läuft über die Krankenkasse. Ob ein CI medizinisch angezeigt ist, klärt allein das behandelnde Ärzteteam.

Beratung

Warum der Hörakustiker bei der Wahl entscheidend ist

Jedes Ohr ist einzigartig. Ein Hörtest allein reicht nicht, um die passende Bauform zu finden: Der Hörakustiker prüft die Anatomie deines Gehörgangs, berät zu Optik, Technik und Handhabung und übernimmt die Feinanpassung. Auch bei Kassen-Anträgen und der Koordination von Ersatzgeräten unterstützt er.

Gut zu wissen: Die Bauform-Empfehlung ist immer individuell. Was hier steht, ist eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine ärztliche Beratung oder die Anpassung beim Hörakustiker.

Für die Hörakustik arbeiten wir mit Audiomee zusammen, von der ersten Einschätzung bis zur Anpassung deines Hörgeräts.

So läuft die Auswahl

In drei Schritten zur passenden Bauform

01

Hörtest und Diagnose

Der Akustiker misst dein Hörvermögen und prüft den Gehörgang. So steht fest, welche Leistungsklasse und welche Bauformen überhaupt infrage kommen.

02

Probetragen im Alltag

In einer Testphase trägst du verschiedene Geräte zu Hause, im Beruf und unterwegs. Klang, Sitz und Bedienung lassen sich erst im echten Alltag beurteilen.

03

Feinanpassung und Versorgung

Steht das Modell fest, wird es exakt eingestellt. Danach klärst du Kassenzuschuss, Eigenanteil und den passenden Versicherungsschutz.

Hörgerät finden

Wo du dein Hörgerät bekommst

Steht die passende Bauform fest, geht es an die Versorgung. Über unsere Partner findest du Beratung, Anpassung und das Gerät selbst.

  • Hörakustik digital Audiomee

    Hörtest, Anspruch und Versorgung digital prüfen, ohne Termin beim Akustiker vor Ort.

    Zu Audiomee
  • Online-Hörgeräte audibene

    Moderne Hörgeräte 30 Tage kostenlos zur Probe tragen, mit Partner-Akustikern in der Nähe.

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Versicherbarkeit

Welche Hörgeräte sind versicherbar?

Alle klassischen Hörgeräte-Bauformen lassen sich versichern, unabhängig davon, ob sie mit Akku oder Batterie laufen und ob Bluetooth an Bord ist. Bei Spezialformen wie Cochlea-Implantaten ist nur der externe Sprachprozessor versicherbar, das Implantat selbst läuft über die Krankenkasse.

Warum sich der Schutz lohnt, zeigt der Blick auf den Eigenanteil: Höherwertige Geräte kosten je nach Bauform 1.500 bis 3.500 EUR pro Ohr, die Kasse zahlt nur einen Festbetrag von rund 685 EUR pro Ohr. Geht das Gerät verloren oder kaputt, gibt es frühestens nach dem Versorgungszyklus von rund sechs Jahren wieder einen Zuschuss. Bis dahin trägst du die Wiederbeschaffung selbst, sofern keine Versicherung greift.

Kurz gerechnet: Eine Hörgeräteversicherung gibt es schon ab 3 EUR im Monat. Ein einziger Schadensfall übersteigt damit schnell die Beiträge vieler Jahre.

Die Höhe des Beitrags richtet sich nach dem Anschaffungspreis und der Bauform. Ein High-End-RIC kostet im Schutz mehr als ein Basis-IdO. Was Geräte und Kassenzuschuss kosten, steht im Detail unter Hörgeräte-Kosten.

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Häufig gestellte Fragen

Was du zu den Hörgeräte-Arten wissen solltest

Welche Hörgeräte-Bauform ist die beste?

Die eine beste Bauform gibt es nicht. Welches Modell passt, hängt vom Grad deiner Hörminderung, der Anatomie deines Gehörgangs und deinem Alltag ab. Ein HdO-Gerät ist robust und für jede Hörminderung geeignet, ein RIC besonders diskret, ein Im-Ohr-Gerät unsichtbar. Welche Bauform für dich sinnvoll ist, klärst du am besten beim Hörakustiker. Dieser Text ersetzt keine ärztliche oder hörakustische Beratung.

Welche Bauform ist am unauffälligsten?

Am unauffälligsten sind die kleinen Im-Gehörgang-Geräte. IIC (Invisible-in-Canal) sitzt so tief, dass es von außen praktisch unsichtbar ist, CIC ragt nur minimal aus dem Gehörgang. Beide eignen sich aber nur für leichte bis mittlere Hörminderung. Mehr dazu unter unsichtbare Hörgeräte.

Was ist der Unterschied zwischen HdO und RIC?

Beim klassischen HdO (Hinter-dem-Ohr) sitzt die gesamte Technik inklusive Lautsprecher hinter der Ohrmuschel, der Schall läuft über einen Schlauch in den Gehörgang. Beim RIC (Receiver-in-Canal) sitzt nur der kleine Lautsprecher direkt im Gehörgang, verbunden über einen dünnen Draht. RIC ist dadurch diskreter und klingt oft natürlicher, das klassische HdO bietet die höchste Leistungsreserve.

Welche Hörgeräte haben einen Akku?

Akku-Modelle sind vor allem bei RIC- und HdO-Geräten verbreitet, zunehmend auch bei einigen Im-Ohr-Geräten. Sie werden über Nacht im Lade-Etui geladen und kommen meist über einen vollen Tag. Die sehr kleinen Bauformen wie CIC und IIC laufen dagegen fast immer mit Knopfzellen, weil der Akku dort keinen Platz findet. Details unter Hörgeräte mit Akku.

Kann ich mit Hörgeräten telefonieren und Musik streamen?

Ja. Die meisten modernen RIC- und HdO-Geräte haben Bluetooth an Bord und lassen sich mit dem Smartphone koppeln. Anrufe, Musik und Navigationsansagen laufen dann direkt aufs Ohr. Bei sehr kleinen Im-Ohr-Geräten ist Bluetooth aus Platzgründen seltener. Mehr unter Hörgeräte mit Bluetooth.

Welche Bauform eignet sich bei starker Schwerhörigkeit?

Bei hochgradiger Hörminderung sind klassische HdO-Geräte die erste Wahl, weil sie die größte Leistungsreserve und kräftige Verstärker bieten. Reicht das nicht mehr aus, prüft der HNO-Arzt, ob ein Cochlea-Implantat infrage kommt. Die Indikation dafür ist ausschließlich eine ärztliche Entscheidung.

Sind Im-Ohr-Geräte für jeden geeignet?

Nein. Im-Ohr- und Im-Gehörgang-Geräte setzen einen ausreichend großen, gesunden Gehörgang voraus und eignen sich nur für leichte bis mittlere Hörminderung. Bei sehr engen Gehörgängen, starker Schwerhörigkeit oder viel Ohrenschmalz rät der Akustiker oft zu einer anderen Bauform.

Wie finde ich die passende Bauform?

Über einen Hörtest und eine Anpassung beim Hörakustiker. Er misst dein Hörvermögen, prüft die Anatomie deines Gehörgangs und bespricht mit dir Optik, Technik und Handhabung. In einer Testphase trägst du verschiedene Geräte im Alltag, bevor du dich entscheidest.

Kann ich jede Bauform versichern?

Alle klassischen Hörgeräte-Bauformen, also HdO, RIC, IdO, CIC und IIC, lassen sich versichern, unabhängig von Akku oder Bluetooth. Bei einem Cochlea-Implantat ist nur der externe Sprachprozessor versicherbar, das Implantat selbst läuft über die Krankenkasse.

Was kostet ein Hörgerät und was zahlt die Kasse?

Höherwertige Geräte kosten je nach Bauform und Technik meist 1.500 bis 3.500 EUR pro Ohr, bei beidohriger Versorgung verdoppelt sich der Betrag. Die gesetzliche Krankenkasse zahlt einen Festbetrag von rund 685 EUR pro Ohr, die Differenz trägst du selbst. Details unter Hörgeräte-Kosten.

Wie lange hält ein Hörgerät?

Technisch halten Hörgeräte meist sechs bis acht Jahre. Auch der Versorgungszyklus der Krankenkasse liegt bei rund sechs Jahren, erst danach gibt es wieder einen Festbetrag. Geht das Gerät vorher verloren oder kaputt, springt die Kasse nicht ein, hier schließt eine Hörgeräteversicherung die Lücke.

Brauchen Kinder eine besondere Bauform?

Kinder werden in der Regel mit robusten HdO-Geräten versorgt, weil sich die Ohrpassstücke mitwachsend anpassen lassen und die Geräte stabil sind. Da Kindergeräte schneller verloren gehen oder beschädigt werden, ist ein Versicherungsschutz hier oft besonders sinnvoll.

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